Und so wie Ihr mich haltet, bin auch ich Euch Halt
Und gebe dem, was wir zusammen tun, Gestalt.


Quintessenz


Gemeinsam mit Claudia Toll gründete Iris Schürmann-Mock im Jahr 2006 die Autorinnengruppe "Quintessenz". Dagmar Scherf, Ilka Sokolowski und Claudia Possehn waren weitere Gründungsmitglieder. Zu Beginn des Jahres 2008 verließ Claudia Possehn die Gruppe. An ihrer Stelle kam Katrin Lankers dazu.

Die Autorinnen arbeiten jeweils ein Jahr lang an einem gemeinsamen Projekt. Dabei schreibt jede in 14-tägigem Rhythmus einen neuen Text zum jeweils gleichen Thema. Die Themen werden im Wechsel vorgegeben.

So entstanden im Rahmen des ersten Projekts über 100 Gedichte. Eine Auswahl wurde im Frühjahr 2009 in der Edition Thaleia veröffentlicht. Ein Beispiel wird unten dargestellt.

Zurzeit schreiben die Autorinnen Vorlesegeschichten für kleinere Kinder (3 bis 7 Jahre). Für dieses Projekt wird noch ein Verlag gesucht.


Lyrische Variationen zum Thema Musik

Ausgesetzt

Und wieder die Segel aufgespannt
Und gegen den Wind gesungen.
Boreas erfasst alle Töne im Nu,
zieht sie mit sich, zerreißt und zerfleddert sie,
entlässt sie in Höhen am Ufer im Sand.
Als stolpernder Klang kehren alle zurück
Vermengt mit den Schreien der Möwen,
dem Knarren, dem Flattern der Takelage,
dem Plätschern der Wellen,
dem Ruf vom Bug.
Sie verharren an Bord, zum Greifen nah.
Hinein in die Flasche als Flaschenpost,
gefüllt mit Sehnsucht und Silben,
gestottert, gestammelt und leise.
Jetzt wirf sie von Bord.
Da fasst sie die Drift.


Singen die Streicher den Weg
(Beethoven 1. Klavierkonzert, 2. Satz)

Beflügelte Läufe
Bergauf bergab
Tropfende Klänge
Triller
Als ob ein Finger
Zärtlich das Wasser bewegt
Tönender Trost
Aus der Tiefe
Wo Himmlisches schlief
Heraufgeholt
Hinabgesungen
Tiefer und höher reichend als Worte
Fürchte dich nicht

Wenn die Streicher verzweifeln
Beleben die Bläser die Hoffnung
Wenn die Bläser verstummen
Singen die Streicher den Weg
Das Klavier nimmt mein Herz an die Hand
Läuft mit ihm leichtfüßig
Von der Liebe beflügelt
Bergauf bergab


Klangmeditation

In meine Stille dringt ein Lied voll Lob
Sinkt tief hinein
Ich singe mit
Ganz klein

Die Töne schwellen, steigen, schweben
Alles wird Gesang
Ich spürte diese Sehnsucht schon
Ein Leben lang

Die Zeit verneigt sich und der alte Raum wird weit
Nichts ist mehr schmerzlich nichts mehr klein
Ich atme Ewigkeit
Kein Wunsch, kein Zweifel
Nur noch Sein.


Abschied

Blatt für Blatt
summte ich
mein altes Lied
zu Boden

Kein Wehen
trug es
gütig davon

Brüchig brummte es
unter meinen Sohlen
und ich watete durch
meine welke Weise
bis ich mich endlich
ihres Flieders erinnerte,
ihrer Pfirsichhaut
und ihrer Wolkenschlösschen
und der Walzer, die sie mich tanzen ließ
und auch der vielen Foxtrotts später
als der Takt sich änderte

Auf dem Boden
stimmte ich ein
in mein altes Lied
und wiegte es
bis es nichts mehr wog
und verklang
mit dem Wind
spielend gen Westen


Tondichtung

In aller Stille
Mitten im Schweigen
Ein kleiner Ton
Von keiner Harfe
Auch keiner Flöte
Eher ein Brummen –
Ja, das schon.
Mal leiser
Mal lauter
Mal Überschwang
Mein ur-eigener
Schräg-schöner Klang.